Eine unheimliche Begegnung der dritten Art
28. August 2008
Ein Once-In-A-Lifetime-Erlebnis? Der Beginn einer langen Karriere als Herzensbrecherin? Oder waren das gestern die Zeichen der Zeit, die zu mir gesprochen haben? Die jene Phase im Leben einläuten, die im allgemeinen Sprachgebrauch nicht mehr als „Jugend” bezeichnet wird. Und das passenderweise, da ich wenige Stunden zuvor meine Sturm-und-Drang-Phase in Fotos habe Revue passieren lassen und feststellen musste, dass das gesetzte Leben begonnen hat. Zu meiner Erleichterung!
Nachdem ich in die Königstraße eingebogen war, XTC auf den Ohren und schnellen Schrittes, da ich nette Menschen nicht gerne warten lasse, parkte gerade ein schickes silbernes (Ha! Frauenklischee!) Auto neben mir ein. Als der „Herr mittleren Alters” (40? 45? 35?) im hellblauen Hemd sich in meine Richtung bewegte, dachte ich noch, er würde mich nach dem Weg fragen wollen. (Wäre dem so gewesen, hätte ich jetzt natürlich sowohl Auto-Kennzeichen als auch -Marke parat.) Allerdings stand ihm der Sinn nach etwas anderem: Wie denn die Chance aussähe, dass er (oder man?) mich mal zu einem Eis einladen könne, wollte er wissen. Den Schock konnte ich sicher nicht verbergen.
In antrainiert haarspalterischer Manier habe ich wohl mit „Eher gering”, oder etwas ähnlich Feinfühligem geantwortet. Die für mich offensichtliche Erklärung, ich hätte bereits jemanden zum Eisessen, habe ich immerhin hinterherschieben können und bin weitergedüst, während das Designerbrillengestell sich schon auf dem Rückzug befand. Das Ganze ging so schnell, dass ich sogar erst einige Schritte später Zeit fand, knallrot anzulaufen.
Women are never disarmed by compliments. Men always are.
Oscar Wilde, (irischer Schriftsteller, 1854-1900)

